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Kommandowechsel an der Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr

Am 1. April 2003 wird das Kommando der SDstHundeBw vom Amtschef des Streitkräfteamtes, Herrn Generalmajor Henninger, von OFVet Dr. Korthäuer an  OStVet Dr. von Rennenkampff übergeben. Ich wünsche meinem Nachfolger viel Glück und Erfolg bei der Leitung der Schule!

In meiner neuen Verwendung als Dezernent im Sanitätskommando II in Diez werde ich mich natürlich weiter für die Belange der Diensthunde in der Bundeswehr besonders einsetzen und weitere Erfahrungen in der Haltung und im Einsatz von Diensthunden gewinnen.

Anfragen an die Diensthundepraxis

1. Knoblauch giftig für Hunde?

Frage: Folgenden Eintrag habe ich auf den Seiten von www.tierschutz.ch gefunden: Knoblauch - Giftige bis stark giftige Kulturpflanze. Knoblauch-Zwiebel ist für Hunde, Katzen, Kleinsäuger, Ziervögel und Pferde giftig. Symptome: Erbrechen, Durchfall, Blutharnen, bleiches Aussehen, Gelbsucht. Ist da was dran? Einige Kollegen/-innen beugen mit Knoblauch im Futter dem Befall von Flöhen und Zecken vor.

Antwort Dr. Korthäuer: Knoblauchvergiftungen sind mir in 20 Jahren tierärztlicher Tätigkeit bisher nicht untergekommen, obwohl mache Tierbesitzer es schon etwas mit der Knoblauchgabe an ihre Hunde übertreiben. Da die Quelle durchaus seriös ist, habe ich etwas nachgeforscht:
1. Nach einer amerikanischen Veröffentlichung ist Knoblauch deutlich weniger giftig für Hunde als die normale Küchenzwiebel. Hier sollen Vergiftungen ab 40 g pro Kg Hund, für einen 35 Kg Diensthund also erst bei 1,4 kg (!) Zwiebeln auftreten. Bei Knoblauch müsste die Menge entsprechend deutlich höher sein und kann damit praktisch nicht vorkommen.

2. Meine Anfrage beim Veterinärtoxikologischen Institut der Universität Zürich wurde von Herrn Prof. Dr. Nägeli freundlicherweise wie folgt beantwortet:
"Die Fütterung von Knoblauch an Hunde kann sich günstig auf die Gesundheit auswirken. Über die tatsächliche Wirkung als Repellens (Abschreckungsmittel gegen stechende Insekten) weiss ich aber nichts. Empfohlen wird eine tägliche Dosis von 4 g /
Hund der frischen Knoblauchzehe. Für Pulver usw. habe ich keine Dosisempfehlung. Über Zwiebelvergiftungen kann ich Ihnen folgende Publikation angeben:
Solter P and Scott R (1987) Onion ingestion and subsequent Heinz body anemia in a dog: a case report. J Am Anim Hosp Assoc 23: 544-546."

2. Probleme mit Parvoviren in Zwingeranlage

Frage: Bei unserer Dienststelle ist ein Fall von Parvovirose bei einem 16 Mon. DSH aufgetreten. Der Impfschutz ist nach Impfpass durchgehend gewesen. Nachdenklich stimmt mich u. a. das bei unserer Dienststelle bereits im letzten Jahr um diese Zeit ebenfalls 4 Hunde verschiedenen Alters daran erkrankten, ebenfalls mit Impfschutz.
Haben sie zu den verwendeten Impfstoffen Info über deren Wirksamkeit oder sind bei ihnen ähnliche Fälle aufgetreten?
Welche Vorsorgemaßnahmen erachten sie für sinnvoll bzw. welche sind dringend angezeigt?
Welche Desinfektionsmittel empfehlen sie zur Reinigung der Zwinger und Fahrzeuge?
Besteht eine akute Infektionsgefahr für die restlichen Hunde?
Gibt es generelle Verhaltensregeln bzw. Erfahrungen in solch einem Fall?
Meine bisherigen Auskünfte von freien Tierärzten, Tierklinik und ärztlichem Dienst schwanken zwischen abwarten bis Desinfektionsmaßnahmen mit Formalinlösung.?
Um ihren fachkundigen Rat und Info zu diesem Thema wäre ich sehr dankbar.

Antwort Dr. Korthäuer: Ich gehe davon aus, dass das Parvovirus bei den erkrankten Tieren nachgewiesen wurde und es sich nicht um eine Verdachtsdiagnose handelt. Ich halte tatsächlich energische Maßnahmen für erforderlich: 

Zur Desinfektion gegen Parvovirose müssen sehr starke Laugen oder Säuren verwendet werden. Ob Formalin wirksam ist weiß ich nicht. Parvoviren sind wohl die beständigsten Viren überhaupt (können über Monate infektiös bleiben). Wir verwenden wegen der nachgewiesen sehr guten Wirkung "Venno-Vet 1 Super" (basiert auf Ameisensäure). Leider hat es einen sehr beißenden und etwas sesshaften Geruch. Ein weiterer Nachteil ist, dass es Aluminium angreift (deshalb Einsatz in Luftfahrzeugen verboten). Bei einmaliger Anwendung ist das aber für Alu-Boxen etc. noch tolerierbar. Vorteil: sehr gute Wirkung auch bei niedrigen Temperaturen. 

Ich würde wie folgt vorgehen: 

1. Alle Zwinger, Transportboxen, Hütten, Liegebretter etc. an einem möglichst warmen Tag gründlich reinigen, abtrocknen lassen. Ältere und raue Holzteile nach Möglichkeit austauschen (nur begrenzt desinfizierbar).

2. Desinfektion und Einwirkzeit nach Anleitung mit Venno-Vet (durch Tierarzt bei Venno-Chemie oder Fa. Heiland zu beziehen), mehrfach auswaschen,  abtrocknen lassen.

3. Ausläufe, Wegränder etc. wenn möglich umgraben oder Oberflächen austauschen. Ansonsten Gras kurz halten und mindestens 3 Monate nicht benutzen. Kothaufen der Hunde aus Ausläufen stets sofort entfernen. Evtl. Ausläufe mit Rindenmulch einstreuen und alle 4 Wochen oberste Schicht entfernen (ist auch gut für die Pfoten der Hunde). Nachteil: in den tiefen Schichten des Rindenmulchs können sich Krankheitserreger lange halten, deshalb 1x pro Jahr Komplettaustausch notwendig.

4. 2x Impfung im Abstand von 3 Wochen aller impffähigen Hunde mit reinem Parvoimpfstoff eines anderen Herstellers als bisher verwendet. Normalerweise verwenden wir den Impfstoff der Firma Intervet als 8-fach Kombination (SHPPi+LT). In diesem Fall sollte aber kein Kombinationsimpfstoff verwendet werden.

5. zusätzliche Kotuntersuchung im Bestand mindestens stichprobenartig, evtl. auch in Form von Sammelproben (Mischung von je 4 Hunden) auf pathogene Bakterien und Parasiten einschließlich Giardien.

3. Einschätzung der Goldakupunktur

Frage: Leider gibt es auch bei uns Diensthunde mit z.B. arthrotischen Beschwerden. Ohne Sie mit Details belästigen zu wollen: Zunehmend scheint sich, auch im Internet, Goldakupunktur bzw. Goldimplantation auszubreiten. Die dort geschilderten Erfolge bei der Schmerzlinderung und daraus resultierenden Verbesserungen in den Bewegungsabläufen/im Tierverhalten klingen beeindruckend. Teilen Sie diese positiven Erfahrungen oder Einschätzungen und würden Sie eine solche Behandlung eines Diensthundes angesichts der (angeblichen) Gesamtkosten in Höhe von ca. 700 Euro befürworten?

Im Internet schaute ich insbesondere unter www.goldakupunktur.de www.animal-reha.com/goldakupunktur.htm und www.tierarztpraxis-rogalla-rummel.de nach.

Antwort Dr. Korthäuer: Leider verfüge ich (noch) über keine eigenen Erfahrungen mit der Goldimplantation, habe aber schon einige Fortbildungen zu dieser Methode absolviert und die Literatur hierzu ein wenig  ausgewertet. Im folgenden deshalb hierzu meine Einschätzung (nur zur Coxarthrose = Arthrose des Hüftgelenkes): 

1. Die Methode erscheint mir interessant wenn:

    - die Schmerzen eindeutig von einem oder besonders beiden Hüftgelenken ausgehen

    - CECS, Lähmungen, Gelenkinfektionen, Borreliose, etc. sicher ausgeschlossen wurden

    - medikamentöse Therapie nicht gut anspricht oder nicht gut vertragen wird

2. Ich halte stärkere Subluxationen bzw.  Luxation der Hüftgelenke für eine Kontraindikation, die DH allerdings nicht aufweisen sollten (Ausschluss durch Ankaufuntersuchung). Trotzdem kann sich eine Arthrose erschreckend schnell entwickeln. Hier könnte man versuchsweise die Goldtherapie einsetzen. An den Ergebnissen (Videodokumentation vorher/nachher) wäre ich sehr interessiert.

3. Die Erklärungen zur Wirkungsweise auf o. a. Seiten ercheinen mir etwas vage und teilweise sicher etwas zu euphorisch. Fakt ist aber: "Wer rastet der rostet!", das heißt,  wird das Gelenk schmerzfrei und bewegt, ist das in jedem Fall günstig (eben nicht nur eine Schmerztherapie).

Es gibt aber auch  wissenschaftlich eher nachvollziehbare Wirkungsmöglichkeiten (z. B. einige Goldverbindungen wirken entzüngshemmend, Stimulation von Nerven der Gelenkkapsel)

4. Hier setzen auch andere Verfahren (Methoden nach Prof. Küppers, Aachen) an: Denervation der Gelenkkapsel durch Operation oder Bestrahlung

5. Vorteile der Goldimplantationsmethode wären:

- fast keine Belastung für das Tier

- einmalige Therapie

- auf beiden Hüftgelenken in kurzer Folge oder gleichzeitig möglich

- Komplikationen sind selten (in der Tiermedizin.de Mailingliste sind sehr wohl einige schwerere Komplikationen diskutiert worden!)

- es werden keine anderen therapeutischen Möglichkeiten (z. B. Endoprothese) verbaut

- Reduktion von nebenwirkungsreicheren Medikamenten (Antiphlogistika) - Kombinierbarkeit mit anderen Methoden

6. Einschränkungen: Bei länger bestehenden Beschwerden (Muskelatrophie) und hochgradigen Arthrosen würde ich allerdings keine Wiederherstellung der vollen Dienstfähigkeit erwarten (mit anderen Methoden auch kaum zu erzielen)

7. Die genannten Kosten halte ich für angemessen, wenn die Goldimplantation kontrolliert unter Röntgendurchleuchtung erfolgt.

 

Copyright © 2002 OFV Dr. med. vet. Walter Korthäuer
Stand: 10. Februar 2003