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Das Cauda Equina
Compressions Syndrom (CECS)
Das Cauda Equina Compressions Syndrom wurde erst vor ca.
20 Jahren als wichtige Hundeerkrankung beschrieben. Bis dahin wurden viele
der Erkrankungen, die jetzt dem CECS zuzuordnen sind, in der klinischen
Veterinärmedizin als "degenerative Myelopathie" zusammengefasst.
Anatomisch-pathologisch konnte eine degenerative Myelopathie bei den meisten
Tieren allerdings nicht nachgewiesen werden, so dass die Erkrankungen lange
Zeit rätselhaft blieben.
Unter einem Syndrom versteht man in der Medizin eine
Zusammenfassung von Krankheiten, die häufig gemeinsam vorkommen, unter
Umständen aber verschiedene Ursachen haben können. Genau dies ist bei dem
CECS der Fall. Heute weiß man. dass das CECS
häufig durch typische Bewegungsabläufe von Diensthunden (häufige
Sprünge, Spüren auf der Hinterhand) ausgelöst werden kann und deshalb, insbesondere bei Spürhunden, deutlich gehäuft vorkommt. Ich werde das
CECS anhand folgender Fragen erläutern:
1. Was ist eigentlich die Cauda equina? Wo liegt sie genau? Welche
Funktion hat sie,
bzw. wie äußern sich Erkrankungen dieses Organs?
2. Gibt es für das CECS auffällige Häufungen des Vorkommens?
3. Welche Formen des CECS gibt es?
4. Wie wird die Diagnose gestellt? Mit welchen Krankheiten kann die Cauda
equina
Compression verwechselt werden?
5. Wie sind die Prognosen und
Therapiemöglichkeiten?
6.
Prophylaxe, Empfehlungen zum Zwingerbau
1. Was ist eigentlich die Cauda equina? Wo liegt sie genau? Welche
Funktion hat sie,
bzw. wie äußern sich Erkrankungen dieses Organs?
Die Cauda equina stellt das hinterste Segment des Rückenmarks bei allen
Säugetieren dar, Lage und Funktion sind jedoch tierartlich recht
verschieden. Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich daher in den
speziellen Teilen nur auf den Hund. Die lateinische Bezeichnung Cauda equina
(Pferdeschweif) bezieht sich übrigens auf die zahlreichen, in diesem Bereich
austretenden Nerven, die allerdings in dem unten abgebildeten
Schnittpräparat nicht zu sehen sind.
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| Abb. 1: Schnittpräparat aus dem
Bereich 7. Lendenwirbel - Kreuzbein mit der Cauda equina, dem untersten
Segment des Rückenmarkes, modifiziert nach BOYD/PATTERSON 1995 |
Rückenmark und Gehirn bilden eine funktionelle Einheit - das
Zentrale
Nervensystem (ZNS). Es wird optimal durch einen knöchernen Panzer, gebildet
aus Schädelkapsel und Wirbelkanal, geschützt. Dieser Schutz bedeutet aber
auch gleichzeitig Einengung und die Gefahr einer Druckschädigung, da
Rückenmark und Gehirn auch geringen raumfordernden Prozessen kaum ausweichen können.
Die Wirbelsäule bietet jedoch dem Rückenmark nicht nur
Schutz, sondern sie trägt auch in besonderem Maße zur raschen Bewegung des
Hundes bei (s.
Bewegungsanalyse). Sie muss daher sowohl elastisch
als auch stabil
sein. Die Natur löste dieses Problem durch die abwechselnde Folge von
Wirbelknochen und
Zwischenwirbelscheiben sowie einem komplexen Spannapparat aus Bändern und
Muskeln.
Knochen und elastische Elemente unterliegen einem alters- und
belastungsabhängigen Verschleiß.
Der Körper reagiert auf diesen Verschleiß mit verschiedenen Reparatur- und
Kompensationsmechanismen, die selber wiederum krankheitsauslösend (s.
a.
Spondylose) sein
können.
Sowohl durch primäre Erkrankungen als auch durch die
Reparaturversuche des Organismus kann es zu
raumfordernden Prozessen mit Störungen der Cauda equina bzw. der im
Kreuzbeinbereich austretenden Nerven kommen. Neben Schmerzen können vor
allem folgende Funktionen beeinträchtigt sein:
 | After-/Blasenfunktion (Nervus pudendus), |
 | Rutenfunktion (Schwanznerven), |
 | Hinterhandmotorik und -sensibilität (N. ischiadicus). |
Entsprechend vielfältig sind die beobachteten
Krankheitserscheinungen :
 | Schmerzäußerung bzw. Verweigerung gewohnter Übungen bei Belastung (Absitzen,
Aufrichten auf die Hinterhand z. B. beim Spüren und beim Schutzdienst), |
 | gemischte bzw.
Hangbeinlahmheit (Schleifgeräusch), |
 | verminderte Rutenbewegung bis hin zum"
Hammelschwanz", |
 | Rutenbeißer (wegen Schmerz oder "taubem" Gefühl in der Rute) und
seltener |
 | Schwierigkeiten beim Kot- und Harnabsatz (offener After,
Überlaufblase).
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2. Gibt es für das CECS auffällige Häufungen des Vorkommens?
Nach einer Untersuchung von Prof. Köppel (Universität Wien) gibt es eine
starke Rassen-
und Altersdisposition (ca. 27% DSH, ca. 30% Rottweiler, ca. 49% unter 3
Jahre alt) sowie
eine schwache Geschlechtsdisposition (55 % Rüden). Die Häufung der
Rottweiler in o. a. Statistik ist durch die Beliebtheit der Rasse (auch als
Diensthund) in Österreich erklärbar.
Nach eigenen
Beobachtungen tritt die
Erkrankung hauptsächlich bei hochbelasteten und besonders leistungsfähigen
Tieren bis zum
Alter von 6 Jahren (meistens unter 4 J.) auf.
Aufgrund des Auftretens gerade bei jüngeren Hunden ist dies bei einer
tierärztlichen
Ankaufsuntersuchung besonders zu berücksichtigen. Nach meiner Erfahrung
werden diese
Tiere auch häufig gerade wegen beginnender Leistungseinbußen einer Behörde
angeboten, ohne dass das Tier dem Verkäufer als krank bekannt ist. Es hatte
vielleicht in letzter Zeit nur öfter mal einen nicht erklärbaren
"Aussetzer".
Zum Teil
II über das CECS
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