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Das Cauda Equina Compressions Syndrom
(CECS) Teil 3
4. Welche Krankheitsanzeichen gibt es
und wie wird die Diagnose gestellt? Mit welchen Krankheiten kann die CEC verwechselt werden?
Recht typische Krankheitsanzeichen einer Kompression der CE sind bei der
klinischen Untersuchung:
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Schmerzen bei beidseitiger,
nicht jedoch bei
einseitiger, Streckung der Hüftgelenke,
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verzögertes Absitzen ohne Schmerzen
bei passiver
Bewegung der großen Gelenke und
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Schmerzen bei Druck auf die Wirbelsäule
zwischen den Darmbeinschaufeln.
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Unsichere Anzeichen sind unklare Lahmheiten und
verzögerte Korrekturreaktionen.
Nach der klinischen Untersuchung müssen die wichtigsten
Differentialdiagnosen (verwechselbare Erkrankungen)
ausgeschlossen werden, nämlich: Coxarthrose, Spondylose ohne Cauda equina
compression, kompressive Erkrankungen anderer Rückenmarksegmente,
Infektionskrankheiten und Stoffwechselerkrankungen des ZNS,
Verletzungen der
Rute, Erkrankungen des Enddarmes, des Afters, der Blase und der Prostata,
degenerative
Myelopathie, Muskelkontrakturen und evtl. inguinaler Kryptorchismus. Da für
die genannten Krankheitsanzeichen jedoch mehrere,
evtl. gleichzeitig vorliegende Erkrankungen und verschiedene Formen der CEC
in Frage
kommen, ist es das Ziel der erweiterten klinischen und radiologischen Untersuchung die Diagnose
auch im Hinblick auf diese Fragestellungen abzusichern. Dies ist insbesondere auch im Hinblick
auf die Prognose und eine eventuelle Therapie notwendig.
Hierzu erfolgt eine exakte radiologische Untersuchung der Wirbelsäule (incl.
Rute) und evtl.
der Bauchregion. Bei Harnabsatzstörungen erfolgt ein urologischer Untersuchungsgang.
Die Verdachtsdiagnose wird durch eine Rückmarkkontrastaufnahme (Myelographie) mit zusätzlichen gehaltenen
Aufnahmen
bestätigt. Bei der Myelographie werden ca. 5 - 8 ml Kontrastmittel
(beim DSH) in tiefer Vollnarkose im Nackenbereich in den
flüssigkeitsgefüllten Hohlraum im Wirbelkanal appliziert. Nach ca. 5 min
Einwirkzeit in aufrechter Position werden Serienaufnahmen der gesamten
Wirbelsäule gefertigt. Die gleichzeitig entnommene Rückenmarkflüssigkeit
wird im Labor untersucht (Eiweißgehalt, Zellzahl, Zytologie). Aus dem hiermit verbundenen Aufwand, wie auch der
sorgfältigen Überwachung nach der Myelographie erklären sich die hohen Kosten für diese Untersuchung. Leider ist die Myelographie, auch bei sicherer technischer
Beherrschung, eine Untersuchungstechnik mit einer relativ hohen
Komplikationsrate (bis zu 0,5 % schwere, teilweise tödliche Komplikationen, ca.
20-30% Krampfanfälle bis mehrere Stunden nach der Untersuchung). Für
bestimmte Fragestellungen (z. B. bei Tumorverdacht) ist die
Kernspintomographie heute die Untersuchungsmethode der Wahl.
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Abb. 3a: Myelogramm eines Hundes mit
ventraler Bandhypertrophie in normaler Seitenlage ohne sichtbare
Kompression |
Abb. 3b: Der selbe Patient mit
durchgestrecktem Rücken: deutlich ist die "Eindellung" in der
Kontrastmittelsäule (Pfeil) erkennbar. |
5. Prognose und Therapie:
Die meisten Formen des CECS zeigen keinerlei Ansprechen auf eine
medikamentöse Therapie! Dieser Umstand kann auch für die Diagnose
wichtig sein. Die Therapie erfolgt deshalb in der Regel operativ
durch dorsale Laminektomie (Erweiterung des oberen Wirbelbogens, Abb. 4), bei
einseitigen Spondylosen evtl. durch Hemilaminektomie (Erweiterung des Loches
des Nervenabganges) und bei Instabilität evtl. durch Verplattung. Der
operative Aufwand ist hoch. Eine Wiederaufnahme des Dienstes kann ca. 6
Wochen nach der Operation beginnen. Volle Dienstfähigkeit in geglückten
Fällen nach ca. 3 Monaten. Gründe für Misserfolge: zusätzliche oder
weitergreifende Erkrankungen der Wirbelsäule oder z. B. der Hüftgelenke,
dauerhafte - nicht reversible Schädigung der CE (alle Operationen schaffen
nur die
Voraussetzung für eine Regeneration) und Zuwachsen der Erweiterungsöffnung
(eher
selten).
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Abb. 4: Blick auf das
Knochenpräparat 5. Lendenwirbel bis Kreuzbein von oben zur schematischen
Darstellung der dorsalen Laminektomie (Cauda equina Operation); der blau
getönte Bereich der Wirbelbögen des 7. Lendenwirbels und des Kreuzbeines
wird aufgefräst, so dass die Cauda equina bei Druck in diesen Bereich
ausweichen kann. |
In der Praxis liegen häufig Mehrfacherkrankungen und länger bestehende
Erkrankungen
vor. Deshalb macht die Operation nicht bei allen Diensthunden Sinn. Ein
Fortschreiten der Erkrankung kann hierbei, unter Verzicht auf bestimmte
dienstliche Nutzungen, durch striktes Vermeiden des Aufrichtens auf die
Hinterhand deutlich verzögert werden.
Der Schlüssel für eine
erfolgreiche Therapie ist die frühzeitige, exakte Diagnosestellung.
Leider stößt man mit Routinemethoden hierbei schnell an die Grenzen des
Machbaren, da das CECS im Frühstadium, z. B. bei der
Ankaufsuntersuchung, meist nicht sicher erfasst werden kann.
6. Prophylaxe, Empfehlungen zum Zwingerbau
Im wesentlichen sind hier die gleichen Risikofaktoren zu vermeiden, die zur
Entstehung der
Spondylosen führen. Nach meiner Erfahrung neigen Diensthunde, die
in Zwingeranlagen gehalten werden dazu, sich am Frontgitter auf die
Hinterhand aufzurichten. Dieses, im Hinblick auf das CECS ungünstige,
Verhalten wird durch schmale und tiefe Zwingeranlagen mit Welldrahtgittern
deutlich gefördert. Auch der, nach der Tierschutzhundeverordnung geforderte,
Sichtkontakt der Hunde untereinander ist in Hinblick auf die Entstehung des
CECS kritisch zu betrachten. Für Neubauten empfehle ich daher Zwinger mit einer Front
aus Stabgitterelementen (Querverstrebungen in 50 und 150 cm Höhe) und einem
Grundriss, der breiter als tief ist. Leider ist diese Bauweise etwas
kostenintensiver und eignet sich nicht für alle Grundstücke und klimatischen
Gegebenheiten.
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