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Fortsetzung (zum Teil I.):

3. Welche Beschwerden können durch Spondylosen verursacht werden?

3.1 Frühe Stadien der Spondylosenbildung

Durch die Spondylosen werden die elastischen Zwischenwirbelscheiben in ihrer Pufferfunktion zunächst eingeengt (Abbildung 3b) und später völlig ausgeschaltet. Bis zur vollständigen Ausbildung der Spondylose ist die betroffene Bandscheibe erhöht verstauchungs- bzw. rupturgefährdet. Folgen können akute Rückenschmerzen bis hin zu Lähmungen bei akutem Bandscheibenvorfall (s. Diskopathie) sein.

Abb. 3a: gesunde Zwischenwirbelscheibe (rot), darüber der normal weite Bereich des Nervenabganges Abb. 3b: durch Spondylosen eingeengte Zwischenwirbelscheibe (rot) und eingeengter Bereich des Nervenabganges (Foramen intervertebrale)

Die elastische Funktion für die Wirbelsäule kann in der Regel in diesem Stadium von den benachbarten Zwischenwirbelscheiben problemlos übernommen werden, so dass die Tiere häufig völlig beschwerdefrei sind. Durch die hierbei auftretende zusätzliche Belastung kommt es auch an diesen Zwischenwirbelscheiben deutlich gehäuft zu Folgeerkrankungen (z. B. Diskopathie, Spondylosen).

3.2 Fortgeschrittene Spondylosenbildung

Auch fortgeschrittene Spondylosen sind in der Regel nicht völlig knöchern durchbaut, das heißt, es verbleiben meist Trennfugen (Abbildung 4). Bei extremen Belastungen können diese wieder aufreißen, wobei häufig Teile der Spondylose abbrechen. Außerdem setzt sofort eine starke Entzündungsreaktion ein, die die Beschwerden weiter verstärkt. Nach kurzer Zeit sind die Symptome ähnlich wie bei einem Bruch der Wirbel: hochgradiger Schmerz und Funktionsausfall. Besonders häufig habe ich diese Störung am Rutenansatz als Folge einer unsachgemäßen Bewegung der Rute nach oben (z. B. beim Versuch des Fiebermessens durch den Besitzer), beobachtet. Auch im Bereich der Lendenwirbelsäule brechen Spondylosen, z. B. bei Sprüngen, nicht selten auf. Kommen solche Verletzungen nicht zur Ruhe, können sich gravierende Folgeerkrankungen anschließen (z. B. eine Diskospondylitis, d. h. Entzündung und Abbau der Wirbelendplatten).

Abb. 4: Wirbelsäulenpräparat mit fortgeschrittenen Spondylosen (gelb) von der Bauchseite aus betrachtet. Die Trennfugen innerhalb der Spondylosen sind deutlich zu erkennen.

Auf Dauer breiten sich die Spondylosen häufig bis in den Bereich der Nervenabgänge und auch des Wirbelkanals aus, so dass das Rückenmark oder einzelne periphere Nerven geschädigt werden. Die Tiere zeigen bei geringer oder fehlender Schmerzsymptomatik zunächst eine Verzögerung der Korrekturreaktion, die auch bei anderen Erkrankungen vorkommen kann (s. CECS). Mit weiterem Fortschreiten entwickelt sich eine Hangbeinlahmheit mit Schleifgeräusch und evtl. abnorm abgeschliffenen Krallen. Der Gang der Tiere ist insgesamt steif, das Absitzen und Aufstehen sind verzögert. Die Muskulatur im Bereich der Hinterhand wird zunehmend schwächer. Diese Symptome sind ähnlich einer fortgeschrittenen Arthrose der Hüftgelenke, können aber beispielsweise auch bei einer Borreliose (bakterielle Erkrankung nach Zeckenbissen) auftreten.

4. Wie werden Spondylosen diagnostiziert und was kann man dagegen tun?

4.1 Diagnose

Spondylosen können in der Regel problemlos anhand von Röntgenaufnahmen diagnostiziert werden. Da sie aber teilweise auch völlig ohne Beschwerden ablaufen können, müssen im Rahmen einer Lahmheitsuntersuchung auch Krankheiten mit ähnlichen Symptomen (z.B. Borreliose, Cauda equina compression, Diskopathie, Coxarthrose) ausgeschlossen werden. Nur durch eine möglichst vollständige Röntgenuntersuchung der gesamten Wirbelsäule (erkrankte Bereiche in 2 Ebenen) und eine sorgfältige neurologische und orthopädische Untersuchung (einschließlich Beurteilung in der Bewegung) kann der momentane Status der Erkrankung erfasst werden. Durch Folgeuntersuchungen (in der Regel nach 1 und 2 Jahren) sollte das Fortschreiten der Erkrankung bzw. der Therapieerfolg überwacht werden.

4.2 Therapie

Die knöchernen Zubildungen sind praktisch irreversibel, machen aber selber häufig auch keine Probleme (Ausnahme Fraktur der Spondylosen s. o.) und müssen deshalb meist nicht behandelt werden. Sind die Raumforderungen durch die Spondylosen so stark, dass andere empfindliche Organe (z. B. das Rückenmark) geschädigt werden, kann nur eine raumerweiternde Operation (Hemilaminektomie, dorsale Laminektomie) helfen. Zur Behandlung akut entzündlicher Prozesse werden verschiedene entzündungshemmende Präparate über ca. 2 bis 3 Wochen angewendet. Im Gegensatz zur Behandlung degenerativer Erkrankungen der großen Gelenke müssen diese Präparate bei der Spondylosetherapie nur selten auf Dauer angewendet werden. Bei Reizungen der Nervenwurzeln werden häufig hochdosierte B-Vitaminpräparate (rezeptpflichtig) verordnet.

Wichtig ist vor allem die Unterstützung der verbliebenen intakten Bandscheiben, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern bzw. zumindest zu verlangsamen. Hierzu muss in aller Regel die Belastung dem Krankheitszustand angepasst, d. h. mehr oder weniger stark verringert, werden. Gerade während der Anwendung entzündungshemmender Medikamente (evtl. auch als Depotinjektion verabreicht) müssen die Tiere zeitlich befristet völlig geschont werden. Zu lange Schonung ist ebenfalls zu vermeiden. An diese Rekonvaleszenzphase muss sich eine kontrollierte Trainingsphase wieder anschließen. Hierbei kann auch die zeitlich vorübergehende Anwendung von Anabolika sinnvoll bzw. sogar notwendig sein. Gerade bei älteren Tieren  oder bei Zuchttieren  müssen die zu erwartenden Vorteile mit den Nebenwirkungen (Prostatavergrößerung, verminderte Fertilität) sorgfältig abgewogen werden.

Weiterhin kann man versuchen die elastischen Eigenschaften der verbliebenen Bandscheiben mit Gelatine und Glykosaminoglykanpräparaten (oft aus Keimdrüsengewebe der Muschel Perna canaliculus gewonnen) zu unterstützen. An der Diensthundeklinik der Bundeswehr wurden hierbei verschiedene Präparate pharmakologisch und klinisch untersucht und erhebliche Unterschiede in der Zusammensetzung und Wirksamkeit festgestellt. Wenn diese (sehr teuren) Präparate Erfolg versprechend eingesetzt werden sollen, müssen sie hoch dosiert und ausreichend lange (mindestens 8 Wochen) gegeben werden. Aufgrund der breiten qualitativen Streuung der am Markt befindlichen Präparate rate ich grundsätzlich nur zu den, nur geringfügig teureren, Präparaten namhafter pharmazeutischer Firmen, da hier zumindest von einem einheitlichen Qualitätsstandard ausgegangen werden kann.

In Ausnahmefällen (instabile und gebrochene Spondylosen) kann eine zeitlich befristete und streng tierärztlich überwachte Förderung der Spondylosenbildung durch eine Stoßtherapie mit den Vitaminen A und D sowie Calciumpräparaten angezeigt sein.

Die früher häufig angewandte Behandlung mit Kurzwellen ist nicht mehr üblich. Über erfolgreiche Behandlungen mit alternativen Behandlungsmethoden (u. a. Magnetfelder, Homöopathie, Enzympräparate, Akupunktur) wird immer wieder berichtet. Diese richten sich sicherlich auch primär gegen Entzündungszustände im Zusammenhang mit Spondylosen und gelten nach derzeitigem Kenntnisstand zumindest als ungefährlich. Um keine anderen Krankheiten (z. B. Borreliose) zu verschleppen, sollten sie ebenfalls stets nur auf der Grundlage einer gesicherten Diagnose angewandt werden.

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Copyright © 2002 OFV Dr. med. vet. Walter Korthäuer
Stand: 23. Dezember 2002