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Erkrankungen der Zwischenwirbelscheiben, auch Bandscheiben genannt, werden nach ihrer lateinischen Bezeichnung (Discus intervertebralis) als Diskopathien bezeichnet.

Lage und Aufbau der Zwischenwirbelscheiben

Die Zwischenwirbelscheiben dienen in der Wirbelsäule als elastische Verbindungselemente und als Druckpuffer (s. Anatomie). Außer zwischen den ersten beiden Halswirbeln und den 3 Kreuzbeinwirbeln, die zum Kreuzbein zusammengewachsen sind, befinden sie sich zwischen allen Wirbeln. Die Zwischenwirbelscheiben bestehen aus einem äußerem Ring aus Faserknorpel und einem gallertigen Kern (s. Abb. 1).

Abb. 1:  Blick auf den 6. Lendenwirbel von vorn, zu sehen sind: Rückenmark und Nervengewebe (lila) sowie eine gesunde Zwischenwirbelscheibe, bestehend aus Faserknorpelring (gelb) und Gallertkern (blau).

Erkrankungen der Zwischenwirbelscheiben

Beim Diensthund verschleißen am häufigsten die Anteile des Faserknorpelringes. Gerade bei älteren Hunden wird die Bandscheibe häufig nicht mit Faserknorpel sondern mit Knochengewebe repariert bzw. stabilisiert, so dass es zur Bildung der so genannten Spondylosen kommt.

Mitunter kann der Faserring auch plötzlich einreißen. Meist geschieht dies in dem Bereich der Bandscheibe, der an den Wirbelkanal unmittelbar angrenzt. Während der akuten Überlastung werden dann unterchiedlich große Mengen des Gallertkernes in den Wirbelkanal gedrückt und führen hier zu einer Druckschädigung des Rückenmarks (Abb. 2). Es ist ein so genannter Bandscheibenvorfall entstanden.

Abb. 2: Zustand nach Bandscheibenvorfall: der Gallertkern (blau) ist durch den gerissenen Faserknorpelring (gelb) in den Wirbelkanal eingedrungen und führt im vorliegenden Fall  zu einer Druckschädigung des Rückenmarks

Je nach Lage und Menge des in den Wirbelkanal ausgetretenen Bandscheibenmaterials variieren die Beschwerden, die klinisch in verschiedene Grade eingeteilt werden können. Die Schmerzen treten im Bereich des Bandscheibenvorfalles auf, können jedoch auch ausstrahlen und z. B. mit Bauchschmerzen verwechselt werden. Evtl. Lähmungen treten in der Regel hinter dem Vorfall (caudal) auf:

nur geringe, zeitweise auftretende Vorquellungen führen zu schubweisen (rezidivierenden) Schmerzen, bestimmte Bewegungen z.B. Sprünge werden vermieden

leichte Vorfälle führen zu anhaltenden Schmerzen, verminderter Sensibilität und leichtem Ausfall motorischer Nerven  (Steh- und Gehfähigkeit noch erhalten), Lahmheit beim Vorführen und Anheben der Gliedmaße (Hangbeinlahmheit)

starke Vorfälle führen zum Ausfall motorischer Nerven bis zum Verlust der Fähigkeit zum Aufstehen, passive Stehfähigkeit ist noch vorhanden (d. h. das hingestellte Tier kann für kurze Zeit stehen bleiben), teilweiser Verlust der Kontrolle über Harn- und Kotabsatz, verminderte Schmerzempfindlichkeit an betroffenen Gliedmaßen

sehr starke Vorfälle führen häufig zu irreparablen Schäden des Rückenmarks, keine Stehfähigkeit, zu Beginn völliger Verlust der Kontrolle über Harn- und Kotabsatz, völliger Verlust der Schmerzempfindung (sofortige Operation notwendig)

schwerste Vorfälle entstehen, wenn der Gallertkern explosionsartig in das Rückenmark eindringt und dieses hierbei zerstört. Die Folge ist die "aufsteigende Lähme", die zum Tod durch Lähmung der Atemmuskulatur führt, wenn die untere Halsregion von der Rückenmarkzerstörung erfasst wird.

Für die neurologische Diagnostik sind der Ausfall und auch die Steigerung verschiedener Reflexe sowohl für die Lokalisation als auch für die Graduierung und Beurteilung des Verlaufes von besonderer Bedeutung.

Mitunter lässt sich die Schädigung einer Bandscheibe frühzeitig im Röntgenbild anhand der Verkalkung des Gallertkernes erkennen (Diskopathie vom Hansentyp I). Diese Form kommt häufig bei Teckeln vor und ist die gefürchtete Vorstufe der häufigen Bandscheibenvorfälle bei dieser Rasse. Bei Diensthunden kommen Verkalkungen der Bandscheibenkerne nur relativ selten vor. Am häufigsten treten sie noch im Bereich der Halswirbelsäule auf und können durch zeitweilige Verlagerung zu Schmerzen beim Schutzdienst führen. Häufiger kommen bei Diensthunden Bandscheibenvorfälle vom Hansentyp II, das heißt ohne Verkalkung, vor. Diese sind diagnostisch problematischer, da sie im Röntgenbild in der Regel nur auf Kontrastaufnahmen (Myelographie) sicher erkannt werden können. Für bestimmte Fälle sind heute die Computertomographie (CT) und insbesondere die Kernspintomographie (MRT, Abb. 3a u. 3b) die Methoden der Wahl.

Abb. 3a: Ein narkotisierter Schäferhund mit plötzlich aufgetretener Querschnittslähmung wird in einen Kernspintomographen gefahren

Abb. 3b: Kernspintomographie von Gehirn und Rückenmark im Halsbereich in der so genannten Saggitalebene

Die Therapie von Bandscheibenvorfällen erfolgt in einfachen Fällen stets medikamentös und insbesondere durch Schonung. Wichtig sind hier nach meiner Erfahrung in erster Linie Geduld und Einsicht des Tierbesitzers, die natürlich eine genaue Aufklärung voraussetzen. Für eine Heilung ist die Schonung des Tieres die elementare Voraussetzung. Gerade junge Hunde schonen sich aber nicht, wenn sie nach starken Schmerzen und erzwungener Bewegungseinschränkung durch eine intensive medikamentöse Behandlung plötzlich schmerzfrei werden. Auch mir selber ist es schon passiert, dass ich dem heftigen Bitten des Tiersbesitzers nachgegeben habe und das Tier durch Medikamente vorübergehend schmerzfrei gestellt habe. Die Tiere sind dann wie ausgewechselt und versuchen die fehlende Bewegung der letzten Tage in kurzer Zeit nachzuholen. Leider treten nicht selten nach der scheinbaren kurzzeitigen Besserung erhebliche Verschlechterungen des Krankheitsbildes auf, da weiteres Bandscheibenmaterial durch die übermäßige Aktivität des Tieres in den Wirbelkanal vorfällt.

Bei starken oder rezidivierenden Beschwerden ist häufig ein operatives Vorgehen unumgänglich. Vorfälle an mehreren Wirbeln und Diskopathien der Halswirbelsäule können oft mit gutem Erfolg durch Fensterungen der Bandscheiben (Diskusfenestration) behandelt werden. Im Bereich der Lendenwirbelsäule werde diese Eingriffe in spezialisierten Einrichtungen, meist minimalinvasiv unter Röntgendurchleuchtung, durchgeführt. Bei schwersten Vorfällen kommt es auf die möglichst rasche Dekomprimierung des gequetschten Nervengewebes an. Die operative Versorgung (z. B. dorsale Laminektomie wie beim CECS) sollte innerhalb der ersten 2-3 Tage nach dem Vorfall durchgeführt werden.

 

Copyright © 2002 OFV Dr. med. vet. Walter Korthäuer
Stand: 21. Dezember 2002