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Aus dem umfangreichen Gebiet der Anatomie des Diensthundegebisses können hier nur Schlaglichtartig einige Besonderheiten hervorgehoben werden:

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Zoologische Vorbemerkungen

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Entwicklung und Aufbau des Hundegebisses

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Funktionelle Anatomie und Physiologie des Hundegebisses

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Schematischer Aufbau eines Hundezahnes und seiner Umgebung

Zoologische Vorbemerkungen

Die Familie der Hundeartigen Säugetiere umfasst u. a. Wölfe, Haushunde, Schakale und Füchse. Eines der gemeinsamen Merkmale dieser Familie ist ein Gebiss mit 42 Zähnen, dem lediglich der dritte Backenzahn (M3) im Oberkiefer fehlt um ein vollständiges, bzw. ursprüngliches Säugetiergebiss zu repräsentieren. Ein Blick auf das, im Vergleich zum Hund, sehr starke Gebiss der Hyänen zeigt, dass diese Tiere entgegen der weit verbreiteten Meinung nicht zu den Hunden, sondern zu einer eigenen Familie gehören.

Die Diensthunderassen zeigen noch im wesentlichen die vom Wolf ererbte mesocephale Kopfform (Ausnahme Boxer). Die Boxer besitzen eine ausgeprägte brachycephale (kurzschädelige) Form des Gesichtsschädels. Das entgegen gesetzte Extrem zeigen die Windhunderassen mit ihren sehr langen Schädeln (dolichocephaler Typ). Bei allen Hunderassen ist die Zahnzahl (42) gleich. Dies wird erreicht, indem bei den brachycephalen Rassen einerseits die Zähne relativ klein und außerdem im Oberkiefer (OK) mehrere Praemolaren um 90 Grad gedreht sind. Der Unterkiefer ragt weit über den Oberkiefer hinaus (Mesialbiss).

Entwicklung und Aufbau des Hundegebisses

Bis zur 3. Lebenswoche besitzen Hundewelpen in der Regel keine Zähne. Bis zur 8. Lebenswoche ist das vollständige Milchgebiss mit 28 Zähnen durchgebrochen. Zahnformel des Milchgebisses :

3 Id   1 Cd   3 Pd
3 Id   1 Cd   3 Pd

   Id = Milchschneidezähne, Cd = Milchfangzähne, Pd = Milchvorbackenzähne

 

Bis spätestens zum 7. Lebensmonat ist das Milchgebiss vollständig durch das bleibende Gebiss ersetzt worden. Weitere Einzelheiten zur Entwicklung der Zähne und des Gebisses sind im Bereich der Zahnaltersbestimmung ausgeführt. Zahnformel des Ersatzgebisses:

3 I   1 C   4 P   2 M
3 I   1 C   4 P   3 M

 I=Schneidezähne(Inciscivi), C=Fangzähne(Canini),

 P=Vorbackenzähne(Praemolaren),   M=Backenzähne (Molaren)

 

Funktionelle Anatomie und Physiologie des Diensthundegebisses

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Abb. 1 Funktionsbereiche des Hundegebisses

Dem Gebiss des Hundes kommen nicht nur umfangreiche Aufgaben beim Schlagen, Töten, Festhalten und Zerteilen der Beutetiere zu, sondern es dient dem Hund auch als universelles Werkzeug sowie zur Kommunikation (Drohgebärden, Warnbisse, Welpenerziehung). Den einzelnen Zahngruppen lassen sich folgende funktionelle Bereiche zuordnen:

Bereich (Farbcodierung) Hauptfunktionen Dienstliche Nutzung (Beispiele)
Inciscivi, Schneidezahnbogen  (blau)
bulletTrennen kleiner Beuteteile (Scherenfunktion)
bulletEntfernen von Parasiten und Fremdkörpern (Pinzettenfunktion)
bulletFellpflege (Kammfunktion)
bullet"Verwarnungsbisse"
bulletAufheben von Gegenständen (z. B. beim Geruchsspurenvergleichs-verfahren)
bulletEinsatz mit teilweise geöffnetem Beißkorb
bulletAusbildungsschritte für die Beißkorbarbeit
Canini, Fangzähne (gelb)
bulletSchlagen und Festhalten von Beutetieren
bulletTöten kleiner Beutetiere
bulletSchlagen und Festhalten des Täters bzw. Scheintäters
vordere Praemolaren (grün)
bulletTragen und Festhalten von Beuteteilen (Zangenfunktion)
bulletTragen und Festhalten der Teilbeute (Triebförderung)
bulletSpielen mit dem Multibringsel etc.
Reißzahnbereich (OK: P3, P4, UK: P4, M1) (pink)
bulletBrechschere zum Zerteilen größerer Beuteteile und zum Aufbrechen von Knochen
bulletstarke Beteiligung bei "festen Griffen"
Molaren, Backenzahnbereich (orange, nur in geringem Umfang in der o. a. Abbildung einsehbar)
bulletbegrenzte Mahlfunktion
 

Erkrankungen der o. a. Zähne (sehr oft äußerlich nicht erkennbar !) bzw. des Zahnfleisches in diesen Bereichen führen häufig zu lang anhaltenden, teilweise hochspezifischen Funktionsstörungen.

Detaillierte Abbildungen des gesamten Hundegebisses können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden (Bilder zum vergrößern anklicken):

Bilder anklicken zum vergrößern

Abb. 2: Oberkiefer eines  Rottweilers

Abb. 3: Unterkiefer eines  Rottweilers

Abb. 4: Rottweilerschädel rechte Seitenansicht

Abb. 5: Rottweilerschädel Frontalansicht

Abb. 6: Röntgenübersichtsaufnahme des Hundegebisses wie sie auch zur digitalen Zahnaltersbestimmung Verwendung findet.

Um alle Zähne radiologisch beurteilen zu können, werden mindestens 4 Röntgenaufnahmen benötigt. Ggf. müssen einige Zähne (M1-M3 im Unterkiefer) zusätzlich auf Zahnfilmen dargestellt werden.

Abb. 7: Wurzelanomalie des Malinois  

Bei ca. 10% der Malinois besitzt der P3 im Oberkiefer eine akzessorische, 3. Wurzel (grün hervorgehoben).

Diesem Umstand muss bei verschiedenen Zahnbehandlungen  (Wurzelbehandlungen, Extraktionen) Rechnung getragen werden!

 

Schematischer Aufbau eines Hundezahnes und seiner Umgebung

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Abb. 8 (modifiziert nach Bienik 1993):

Die Zähne des Hundes unterscheiden sich in der äußeren Form offensichtlich von denen des Menschen. Auch im Feinbau gibt es einige bemerkenswerte Unterschiede: Das Zahnfleisch (Gingiva) ist zum Schutz gegen Knochensplitter mit einer dicken Hornschicht überzogen. Die Grenze zwischen Zahnfleisch und Mundschleimhaut tritt deshalb deutlich hervor. Die Wurzelspitze besitzt nicht eine einzelne, sondern zahlreiche Öffnungen (apikales Delta). Durch diese gelangen die Nerven, Lymph- und Blutgefäße (zusammen = Pulpa) in den Zahn.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Copyright © 2002 OFV Dr. med. vet. Walter Korthäuer
Stand: 10. Februar 2003