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Unter prothetischen Maßnahmen versteht man bei Diensthunden fest montierte Aufbauten an einzelnen Zähnen, insbesondere Überkronungen der Fangzähne. Ein funktionierender, herausnehmbarer Zahnersatz konnte bislang für Diensthunde nicht entwickelt werden. Den hohen Belastungen im Diensthundegebiss können nur wenige Konstruktionen (s.  u.) und Materialien (Edelstahl, Titan) genügen.

In mindestens 90% der Fälle können Diensthunde nach einer Zahnfraktur funktionell ausreichend durch eine Behandlung der Zahnwurzel (Vitalamputation, Endodontische Versorgung) und eine Amalgamfüllung versorgt werden.

Indikationen für eine Überkronung können sein:

chronische Schleimhautläsionen wegen Schutzdienst mit kurzem Fangzahnstumpf

tiefe Zahnfrakturen mit ungenügenden Fixationsmöglichkeiten im Beißarm bzw. Vollschutz

Usuren (Schleifspuren) und/oder kleinere Fissuren (Risse) des Zahnstumpfes

ausgedehnte Schmelzdefekte/-hypoplasien

sehr weiches Dentin

Kontraindikationen (Gegenanzeigen) für Überkronungen (Stiftkronen) sind:

sehr weites Pulpencavum (Zahnentwicklung vor dem 18. Lebensmonat unterbrochen)

nicht ausgeheilte Erkrankungen der Zahnwurzel (z. B. Granulome, Fisteln)

fortgeschrittene Erkrankungen des Zahnhalteapparate (z.B. Periodontitis)

odontoklastische resorptive Läsionen (beim Hund sehr selten)

therapieresistente Verhaltensstörungen (s. Abrasionsgebiss)

extrem tiefe Frakturen bzw. Zersplitterung der Wurzel

multiple Notwendigkeit der Überkronung (mehr als 2 Kronen) bzw. erhebliche andere Erkrankungen oder Leistungdefizite mit Auswirkung auf die Dienstfähikeit (wirtschaftliche Kontraindikation)

Aufbau tief frakturierter Fangzähne mit Stiftkronen

Abb. 1: Sehr tiefe Frakturen beider Unterkiefercanini. Frühestens 4 Wochen nach der erfolgreichen endodontischen Versorgung (1. Narkose) erfolgt die Präparation der Zahnstümpfe. Im vorliegenden Fall müssen hierfür 2-3 mm des Zahnfleisches elektrochirurgisch abgetragen werden. Der Wurzelkanals wird mit Spezialinstrumenten in mehreren Schritten in der Richtung des Pulpenkanals aufgebohrt. Die 2. "Sitzung" endet mit der Abformung der Ober- und Unterkiefer sowie der Feinabformung des Zahnstumpfes und Wurzelkanals.

Abb. 2: Im Zahnlabor erstellt der Zahntechniker zunächst Hartgipsmodelle beider Kieferhälften und des Zahnstumpfes. Auf diesem baut er freihändig die Zahnkrone mit dem Wurzelstift  und einem Gusskanal nach den Vorgaben des Tierarztes als Wachsmodell auf. Die Höhe der Zahnkrone sollte im Oberkiefer die Höhe des 3. Schneidezahnes nur gering übertreffen. Das Wachsmodell dient dann, ggf. nach der Besprechung mit dem Tierarzt, zur Herstellung der Gussform. Der Stahlguss erfolgt mit hochfesten Implantatlegierungen in Vakuumziehtechnik. Nach der Politur ist die Stiftkrone fertig zur Zementierung (ca. 3 Arbeitstage im Dentallabor).

Abb. 3/4: Sofern keine Zahnfleischwunden abheilen müssen ist die Zahnkrone nach der Zementierung und Politur (3. Narkose) sofort einsatzbereit. Trotz der Politur neigen Stahlkronen zu vermehrtem Ansatz von Zahnstein und müssen deshalb grundsätzlich mindestens 2x pro Woche mit "Hundezahnpasta" geputzt werden!

Abb. 5: Durch die Röntgenkontrolle wird der Exakte Sitz der Krone und die richtige Richtung des Wurzelstiftes geprüft. Der Diensthundführer sollte selber Regelmäßig den Sitz der Krone prüfen und bei evtl. Lockerungen sofort den Tierarzt aufsuchen.

Innere Stabilisierung mit Schrauben aus der Osteosynthese nach Korthäuer

Hunde mit fortgeschrittenem Abrasionsgebiss eignen sich in der Regel nicht mehr für klassische zahnprothetische Maßnahmen da häufig multiple Frakturen bzw. Abrasionen vorliegen und selbst Stahlstiftkronen häufig abbrechen oder durchgeschliffen werden. Die Beobachtung abgebrochener Stiftkronen ergab, dass die Zähne mit dem Stahlstift sich deutlich langsamer abnutzten als mit Amalgam gefüllte Zähne. Hiervon ausgehend wurde von mir das Prinzip der "inneren Stabilisierung" zur Behandlung von Abrasionsgebissen entwickelt.

Das Verfahren bietet neben einigen Vorteilen

kostengünstige Behandlung mehrerer Zähne in einer Sitzung

hohe Festigkeit mit deutlicher Verbesserung des Griffes im Schutzdienst

deutlich verzögerte Abrasion

leichte Austauschbarkeit

gute Eignung für Oberkiefer Fangzähne

leider auch einige Nachteile:

wenig ästhetisches Aussehen

schlechte Selbstreinigung

schlechtere Eignung für Unterkieferfangzähne

ggf. Lockerung der Schrauben, sofern diese nicht zementiert werden.

Abb. 6: Aufbereitung des endodontisch versorgten und aufgebohrten Wurzelkanals mit einem Gewindeschneider.
Abb. 7: Einatz einer exakt vermessenen Osteosyntheseschraube
Abb. 8: Zustand nach Implantation von 2 Schrauben

 

 

 

 

Copyright © 2002 OFV Dr. med. vet. Walter Korthäuer
Stand: 18. März 2003