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Einleitung 

Zahnerkrankungen des Milchgebisse werden sehr häufig unterschätzt, da viele Besitzer glauben, dass eventuell erkrankte Milchzähne so rasch durch die bleibenden Zähne ersetzt werden, dass eine Behandlung kaum lohneswert ist. Das dies ein zuweilen folgenschwerer Irrtum ist, wird nach der Lektüre der nachfolgenden Kapitel leicht zu verstehen sein:

Anatomische Vorbemerkungen zum Zahnwechsel

Frakturen der Milchfangzähne

Persistieren der Milchfangzähne

Anatomische Vorbemerkungen zum Zahnwechsel

In Abbildung 4 ist die Situation nach dem Durchbruch aller Milchzähne ausschnittsweise erkennbar:

Die Milchzähne (rot) sind "richtige" Zähne mit ausgeprägten Zahnwurzeln und einer weiten Zahnhöhle (Pulpencavum), die mit Nerven, Blut- und Lymphgefäßen (Pulpa) ausgefüllt ist.

Unmittelbar unter den Milchzähnen entstehen die bleibenden Zähne (grün). Zuerst entsteht die so genannte Schmelzglocke, die Zahnwurzel ist noch nicht angelegt.

Die Milchzähne sind nicht nur für die Nahrungsaufnahme wichtig, sondern sie sind auch Platzhalter und Leitschienen für den Durchbruch der bleibenden Zähne.

Abb. 1

Röntgenaufnahme (Oberkiefer-Schrägprojektion) eines 4 Monate alten DSH

Der normale Zahnwechsel zwischen dem 4. und dem 6. Lebensmonat geschieht stark vereinfacht so: Zunächst wird die Wurzel des Milchzahnes vollständig durch bestimmte Fresszellen (Odontoklasten) abgebaut. Anschließend wächst unter der Schmelzglocke die Wurzel des bleibenden Zahnes heran und schiebt diesen in den Hohlraum, den die abgebaute Milchzahnwurzel hinterlassen hat.

Frakturierte Milchcanini

Abgebrochene (frakturierte) Milchfangzähne gehören zu den häufigeren Welpenerkrankungen. Bei Diensthundewelpen entstehen Milchzahnfrakturen meist in der Folge einer verunglückten Triebförderungsarbeit. Aufgrund der häufigen, gravierenden Folgeerkrankungen sollte in jedem Fall ein, möglichst auf Zahnheilkunde spezialisierter, Tierarzt aufgesucht werden:

Bei abgebrochenen Milchzähnen ist fast immer die nervenreiche Zahnpulpa freigelegt, so dass diese Zähne hochgradig schmerzempfindlich sind. Weitere "triebfördernde Maßnahmen" sind in dieser Situation absolut kontraindiziert.

Die freigelegte Zahnpulpa ist außerordentlich infektionsempfindlich. Eindringende Bakterien breiten sich rasch über die weite Zahnhöhle und die offene Wurzelspitze bis in den Kieferknochen aus. Die Auswirkungen können von einer lokalen Zerstörung der Schmelzbildung des bleibenden Zahnes (Abb. 2) bis zur großflächigen eitrigen Entzündung (Kieferphlegmone) mit der Zerstörung mehrer bleibender Zähne  (Abb. 3) reichen.

 

Abb. 2

kreisrunde, lokale Schmelzhypoplasie als Folge eines unbehandelten frakturierten Milchcaninus

Abb. 3

Oberkieferphlegmone nach Milchzahnfraktur

 Die Therapie frakturierter Milchfangzähne besteht in der Regel in der vorsichtigen Extraktion des Milchzahnes. Besonders wichtig ist hierbei, dass die gesamte Wurzel ohne Irritation der Anlage des bleibenden Zahnes entfernt wird. In Ausnahmefällen kann auch eine Wurzelbehandlung des Milchzahnes angezeigt bzw. notwendig sein.

Persistierende Canini

Abb. 4

Der linke obere Milchfangzahn (Pfeil) ist bei diesem 7 Monate alten Dobermannwelpen "persistierend", d. h. nicht spontan ausgefallen.

Man beachte die Ansamm-lung von Futterresten zwischen Milchfangzahn und bleibendem Fangzahn sowie dessen fehlerhafte Position

Unter einem persistierenden Caninus versteht man einen Milchfangzahn, der noch längere Zeit nach dem Durchbruch des bleibenden Fangzahnes im Zahnbogen verbleibt (Abb. 4). Diese Erkrankung kommt bei Zwergrassen (z. B. Yorkshire, Zwergpudel) wesentlich häufiger als bei Diensthunden vor. Ursächlich für das Persistieren des Milchfangzahnes ist die, erblich bedingte, verzögerte oder fehlende Resorption der Wurzel des Milchzahnes. Zwischen Milchfangzahn und bleibendem Fangzahn verbleiben stets Futterreste, so dass es zwangsläufig zu einer Parodontalerkrankung (Erkrankung des Zahnhalteapparates) des bleibenden Fangzahnes kommt. Außerdem führt das Persistieren sehr häufig zu kieferorthopädischen Problemen, da der bleibende Zahn in eine falsche Richtung (Oberkieferfangzahn zu weit nach vorn, Unterkieferfangzahn zu weit nach innen) geleitet wird. Therapie: Zeichnen sich kieferorthopädische Probleme ab, müssen die Milchfangzähne frühzeitig durch den Tierarzt gezogen werden. Andernfalls kann der Besitzer versuchen die Resorption durch ganz vorsichtiges Bewegen des Milchfangzahnes zu Beschleunigen. Bis zum 7. Lebensmonat persistierende Milchcanini sollten stets gezogen werden.

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Copyright © 2002 OFV Dr. med. vet. Walter Korthäuer
Stand: 13. Februar 2003